Trotz Fangverboten: Deutsche Ostseefischer dürfen 2027 weiter Hering fischen
Trotz weitreichender Fangverbote dürfen deutsche Ostseefischer im kommenden Jahr weiter geringe Mengen Hering fischen. Die EU-Agrarminister einigten sich am Montag in Luxemburg darauf, die bisherige Ausnahme für kleine Küstenfischer beizubehalten. Die Fischbestände sind seit Jahren stark bedroht, insbesondere im für Deutschland relevanten westlichen Teil der Ostsee schränkt die EU die Fischerei deshalb ein.
Die EU-Kommission setzt sich seit mehreren Jahren dafür ein, die Ausnahmen abzuschaffen, konnte sich damit bislang aber nicht durchsetzen. Auch eine Sonderregel für Hobby-Angler bleibt bestehen: Sie dürfen weiterhin einen gezüchteten und in der Ostsee ausgesetzten Lachs pro Tag aus dem Meer ziehen.
Ein vollständiges Fangverbot hätte wahrscheinlich viele Fischer die Existenz gekostet, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) in Luxemburg. Die Küstenfischer an der Ostsee "kämpfen sowieso in verschiedensten Bereichen ums wirtschaftliche Überleben", sagte Rainer. Die Ausnahme schränke das Überleben der Heringsbestände hingegen nicht ein.
Mit Ausnahme der Küstenfischer ist Hering in der westlichen Ostsee nur als Beifang erlaubt - das sind Fische, die unerwünscht ins Netz gehen und dabei häufig verenden. Für Dorsch gilt in der gesamten Ostsee ein Fangverbot. Die EU legt für den Beifang ebenfalls Obergrenzen fest, diese sollen sich für das kommende Jahr nicht ändern.
In anderen Teilen der Ostsee gibt es wieder mehr Fisch. Im Norden und Osten des Gewässers darf deshalb im kommenden Jahr wieder deutlich mehr Hering gefischt werden. Die erlaubten Fangmengen für Sprotte steigen ebenfalls, die für Scholle leicht. Die Lachs-Fangmenge soll gleich bleiben.
Die EU-Staaten legen jedes Jahr im Herbst die erlaubten Fangmengen für das folgende Jahr fest. Sie orientieren sich dabei an den Empfehlungen des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES), legen häufig aber etwas höhere Fangmengen fest.
U.Smith--HHA