Halbleere Gasspeicher: Wirtschaftsweise Grimm sieht noch keinen Handlungsbedarf
Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm sieht mit Blick auf die halbleeren Gasspeicher in Deutschland noch keinen akuten Handlungsbedarf. "Ich halte es für sinnvoll, jetzt noch abzuwarten", sagte Grimm den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND, Samstagsausgaben). Zwar sei die Angst vor steigenden Preisen berechtigt. "Aber es muss klar sein, dass hohe Mindestfüllstände genau wegen der hohen Preise abgeschafft wurden, die daraus resultieren", fuhr die Ökonomin fort.
Derzeit sind die deutschen Speicher im Schnitt nur zu knapp 52 Prozent gefüllt. Die niedrigeren Füllstände schüren die Sorgen um die Versorgungssicherheit im Winter und die Preisentwicklung.
In der Gaskrise 2022 nach Russlands Angriff auf die Ukraine hatte die Bundesregierung verpflichtende Vorgaben für die Speicherbetreiber eingeführt. 2025 wurden die Vorgaben abgesenkt. Derzeit gilt für die meisten Speicher, dass sie zum 1. November zu mindestens 80 Prozent gefüllt sein müssen.
In vielen Fällen ist das Erreichen der Zielvorgabe bereits kaum noch möglich. Werden die Ziele nicht erreicht, kann der Staat die Befüllung beauftragen - eine Befürchtung ist, dass Gasverkäufer genau darauf spekulieren, denn der Staat würde dann wohl zu jedem Preis einkaufen.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lehnt einen staatlichen Eingriff ab. "Die Ministerin und auch das Wirtschaftsministerium gehen derzeit davon aus, dass der Markt weiter befüllt. Das ist die Aufgabe des Marktes", bekräftigte eine Sprecherin am Freitag in Berlin. "Das hat auch immer so funktioniert."
Grimm plädierte dafür, die Gasversorgung auf längerfristige Verträge umzustellen und die Vertragsstrukturen zu diversifizieren. "In der öffentlichen Diskussion geht es viel um die kurzfristigen Maßnahmen. Die langfristigen Maßnahmen schiebt man gerne vor sich her", sagte sie.
Es gebe eine starke Abhängigkeit vom Spotmarkt-Preis, der in Krisen "auch mal massiv nach oben gehen" könne, erklärte Grimm. Deutschland sei zudem beim Flüssigerdgas LNG stark von den USA abhängig. "Wir müssten wirklich etwas tun, um uns mittelfristig resilienter aufzustellen - sonst sind wir dauernd im Krisenmodus."
O.Zimmermann--HHA