Hamburger Anzeiger - Sarah Oswald spricht über Ost-Identität und ihre Heimat Köpenick

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Sarah Oswald spricht über Ost-Identität und ihre Heimat Köpenick
Sarah Oswald spricht über Ost-Identität und ihre Heimat Köpenick

Sarah Oswald spricht über Ost-Identität und ihre Heimat Köpenick

Moderatorin Sarah Oswald beschreibt Treptow-Köpenick als ihre Berliner Heimat und berichtet, warum ihre ostdeutsche Identität im Laufe der Jahre stärker geworden ist.

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Die Berliner Moderatorin Sarah Oswald verbindet ihre Heimatstadt mit einer Mischung aus Nähe und Widerspruch. Besonders eng fühlt sie sich dem Südosten der Stadt und ihrem heutigen Wohnbezirk Treptow-Köpenick verbunden. Dort schätzt sie die Natur, den Müggelsee und die Menschen.

Oswald wurde 1986 in Ost-Berlin geboren. Kurz vor dem Mauerfall zog ihre Familie in einen Plattenbau nach Hohenschönhausen. Bis zur vierten Klasse spielte sie mit vielen anderen Kindern auf den Höfen zwischen Klettergerüst und Tischtennisplatten. Als Einzelkind habe sie das Leben in dem von jungen Familien geprägten Viertel besonders genossen.

Die Wochenenden verbrachte die Familie häufig auf einem kleinen Grundstück nahe Schmöckwitz am Stadtrand. Der Krossinsee lag in der Nähe. Oswald erinnert sich unter anderem an einen zugefrorenen See, auf den einmal jemand mit einem Trabant gefahren sei. Ihre Mutter lebt heute auf dem Grundstück.

Obwohl Oswald beim Fall der Mauer erst drei Jahre alt war, beschreibt sie sich als ostdeutsch geprägt. Diese Identifikation sei im Laufe der Jahre sogar stärker geworden. Sie führt das auch auf einen aus ihrer Sicht häufig verallgemeinernden und herablassenden Blick aus dem Westen auf Ostdeutschland zurück. Eltern, Großeltern, Erzieherinnen und Lehrerinnen hätten ihre Sozialisation nach 1989 weiterhin geprägt.

Mit dem Osten verbindet sie Bodenständigkeit, Tatkraft und die Fähigkeit, nach Brüchen neu anzufangen. Diese Erfahrungen seien gerade in den 1990er-Jahren für viele Menschen prägend gewesen. Oswald verweist in diesem Zusammenhang auf das Buch Zweite Wende von Marieke Reimann, das die diffuse ostdeutsche Identität von Wende- und Nachwendekindern behandelt.

Innerhalb Berlins ist Oswald häufig umgezogen. Zu ihren Stationen gehörten Treptow, Friedrichshain, Tempelhof, die Gegend am Kurfürstendamm, Kreuzberg und schließlich wieder Köpenick. In Friedrichshain begann ihr selbstständiges Erwachsenenleben. Kreuzberg schätzte sie wegen der Restaurants und Cafés, verließ den Bezirk aber auch wegen steigender Mieten.

Eine besondere Rolle spielt für sie der 1. FC Union Berlin. Seit ihrer Rückkehr nach Köpenick 2019 besucht sie Spiele im Stadion An der Alten Försterei. Die Jahre unter Trainer Urs Fischer und die Teilnahme an der Champions League nennt sie als prägende sportliche Phase. Besonders wichtig sei ihr die Atmosphäre, in der die Anhänger ihre Mannschaft unabhängig vom Ergebnis unterstützen.

Berlin verlassen möchte Oswald trotz der Belastungen der Großstadt nicht. Auszeiten genieße sie, doch bereits beim ersten Berlin-Schild auf der Rückfahrt freue sie sich auf die Stadt. Gleichzeitig vermisst sie ein früheres Berlin mit weniger modernen Hochhäusern am Spreeufer, mehr Freiräumen und weniger gentrifizierten Vierteln.

Zu ihren Lieblingsorten zählt der Müggelsee. Eine Strecke von Friedrichshagen durch den Spreetunnel, vorbei an Rübezahl und der Müggelseeperle bis Rahnsdorf nutzte sie während ihrer Marathonvorbereitung zum Laufen. Auch den Landschaftspark Johannisthal besucht sie gern.

Als problematische Entwicklung sieht Oswald die zunehmende Verwahrlosung in Teilen der Stadt. Besonders die sichtbare Not von Drogenabhängigen, Betrunkenen und Obdachlosen belaste sie. Einen Berliner Ort, den sie grundsätzlich meidet, nennt sie jedoch nicht. In der Bahnhofstraße in Köpenick stört sie vor allem, dass viele Menschen außerhalb der Ampeln die Fahrbahn überqueren.

Oswald begann ihre Medienlaufbahn mit einem Volontariat bei 94,3 rs2 und wechselte 2014 zum RBB. Mehr als vier Jahre moderierte sie die Abendschau. Für ein Interview im Zusammenhang mit der Schlesinger-Affäre wurde sie 2023 für den Bremer Fernsehpreis nominiert. Nach einer kurzen Tätigkeit im Berliner Senat arbeitet sie wieder für Fernsehen und Radio. Seit Mai moderiert sie aus Köln Deutschland am Morgen von RTL und ntv sowie in Berlin den Feel-Good-Nachmittag bei RTL Radio. Außerdem präsentiert sie bei ntv das Verbrauchermagazin ntv Service.

Ihr ideales Wochenende beginnt nach eigener Beschreibung mit einer Laufrunde und einem Frühstück in der Altstadt Köpenick. Zeit verbringt sie außerdem mit ihrer Hündin Tinka im Wald oder am Wasser. Für einen urbaneren Tag nennt sie Museumsbesuche und Restaurants am Wasser in Rummelsburg oder Rahnsdorf.

O.Zimmermann--HHA