Ex-Akademieleiter Haupt kritisiert DFB: "Reicht nicht mehr"
Der frühere Chefausbilder des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat die Arbeitsweise beim Verband kritisiert und die Fehler seines Ex-Arbeitgebers für die Probleme der Nationalmannschaft mitverantwortlich gemacht. "Wir haben traditionell sehr viel Wert auf Kollektiv, taktisches Verhalten, Verlässlichkeit und Mentalität gelegt. Heute reicht das aber nicht mehr", sagte Tobias Haupt, von 2018 bis 2023 Leiter der DFB-Akademie, dem Nachrichtenportal t-online.
Laut Haupt ist es keine Überraschung, dass die deutsche Auswahl nach wie vor von Problemen auf den Mittelstürmer- und Außenverteidiger-Positionen geplagt wird. "Solche Themen entstehen nicht plötzlich oben in der A-Nationalmannschaft, sie sind das Ergebnis jahrelanger Fehlentwicklungen", äußerte der 42-Jährige: "Wir müssen Mittelstürmer und Außenverteidiger wieder bewusster entwickeln. Dafür sind ein konsequentes Handeln und ein großer Schulterschluss aller Beteiligten im deutschen Fußball notwendig. Beides kann ich nach wie vor nicht erkennen."
Für Haupt ist es auch kein Zufall, dass in Deutschland die Superstars fehlen. "Deutschland hatte immer viele sehr gute Spieler. Aber diese absolute Ausnahme-Kategorie ist noch einmal etwas anderes. Lionel Messi, Cristiano Ronaldo, Kylian Mbappé oder Erling Haaland verändern nicht nur Spiele, sondern über Jahre die Wahrnehmung einer Mannschaft", äußerte Haupt: "Und sie stammen alle nicht durch Zufall aus Systemen, in denen Talententwicklung noch einmal auf einem ganz anderen Level betrieben wird als bei uns."
In Deutschland müsse man laut Haupt "dringend davon wegkommen", junge Spieler "zu früh in ein Raster" zu drängen: "Wir dürfen im deutschen Fußball nicht nur Spieler suchen, die möglichst früh möglichst wenig falsch machen. Außergewöhnliche Spieler entstehen auch dadurch, dass sie Dinge ausprobieren dürfen, die nicht sofort perfekt aussehen."
Der DFB und der vom früheren Verbandsdirektor Oliver Bierhoff installierte Haupt trennten sich im Dezember 2023 vorzeitig. Haupt galt innerhalb des DFB als umstritten.
T.Schmidt--HHA