Im Westjordanland verletzter Sohn des israelischen Botschafters schwebt in Lebensgefahr
Der bei einem Angriff im besetzten Westjordanland schwer verletzte Sohn des israelischen Botschafters in den USA kämpft nach den Worten seines Vaters nach einer Operation um sein Leben. Den Ärzten sei es gelungen, den Zustand seines 39 Jahre alten Sohns Neria Leiter "zu stabilisieren", sagte der Botschafter Yechiel Leiter am Donnerstag vor dem Shaare Zedek Krankenhauses in Jerusalem. Sein Leben sei "aber immer noch in Gefahr", betonte er.
Nach Angaben des Krankenhauses unterzog sich Neria Leiter einer "schwierigen Operation des Hirns", die mehrere Stunden dauerte. Am Mittwoch hatte der Botschafter im Onlinedienst X erklärt: "Neria braucht ein Wunder." Nun sagte er, die Operation mache ihm wieder Hoffnung.
Dem Botschafter zufolge hatte sein Sohn Neria weiter als Reservist gedient, nachdem sein älterer Bruder im November 2023 bei einem Einsatz im Gazastreifen getötet worden war. Der achtfache Vater Yechiel Leiter trat am Donnerstag im Beisein eines weiteren Sohns, Noam Leiter, vor die Presse.
Der Reservist Neria Leiter war bei einem Angriff mit einem Auto an einem Kontrollpunkt westlich von Ramallah im Westjordanland verletzt worden. Der Angreifer raste auf den Soldaten und eine Polizistin zu, als diese gerade ein anderes Fahrzeug kontrollierten. Der Angreifer wurde von Einsatzkräften erschossen.
Nach Angaben seines Büros besuchte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu den verletzten Sohn des Botschafters im Krankenhaus, bevor er zur UN-Generaldebatte nach New York aufbrach. "Meine Frau Sara und ich beten gemeinsam mit allen Menschen in Israel für ein Wunder", erklärte Netanjahu auf X.
Der israelische Sender Kan berichtete, der Botschafter hätte eigentlich am Donnerstag Netanjahus Rede bei der UN-Generaldebatte verfolgen sollen, sei aber stattdessen zurück nach Israel geflogen, um seinen Sohn im Krankenhaus zu besuchen.
Der Diplomat Leiter kritisierte vor den Journalisten am Donnerstag auch Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron für dessen Rede bei der UN-Generaldebatte. Macron hatte darin seine Besorgnis angesichts des israelischen Vorgehens im Westjordanland zum Ausdruck gebracht.
Leiter sagte, Macron habe "aus Unwissenheit, Bosheit oder Böswilligkeit" gehandelt, als er sagte, die Hamas habe Juden im Westjordanland "noch nie Schaden zugefügt". Am Sonntag hatte ein palästinensischer Angreifer im Westjordanland den jüdischen Siedler Netanel Shukrun getötet, der auch die französische Staatsbürgerschaft hatte. Zeil der Anschläge "auf Netanel Shukrun und auf meinen Sohn Neria gestern ist es, uns von diesem Ort zu vertreiben", sagte Yechiel Leiter.
Der Botschafter hatte Frankreich in der Vergangenheit bereits mehrfach kritisiert und dem Land vorgeworfen, durch Pläne zur Anerkennung eines palästinensischen Staates antijüdische Stimmungen zu schüren.
Israel hält das Westjordanland seit dem Sechstagekrieg 1967 besetzt. Dort leben rund drei Millionen Palästinenser und mehr als 500.000 israelische Siedler. Die Siedlungen sind nach dem Völkerrecht illegal.
Seit dem Großangriff der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hat die Gewalt im Westjordanland deutlich zugenommen. Einer AFP-Zählung auf Grundlage palästinensischer Behördenangaben wurden seither mehr als 1100 Palästinenser von israelischen Soldaten oder Siedlern getötet, darunter auch bewaffnete Kämpfer. Nach israelischen Angaben wurden im selben Zeitraum mindestens 49 Israelis getötet.
T.Schmidt--HHA