Sarkozys Anwälte beteuern am letzten Verhandlungstag die Unschuld des Ex-Präsidenten
Am letzten Verhandlungstag im Berufungsverfahren gegen den französischen Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy hat die Verteidigung erneut dessen Unschuld beteuert. Die Vorwürfe, Sarkozy habe Wahlkampfgelder aus Libyen erhalten und im Gegenzug diplomatische Gefälligkeiten in Aussicht gestellt, seien ein "grotesker Roman", sagte Sarkozys Anwalt Christophe Ingrain am Mittwoch in Paris. Die Anklage sei eine "Konstrukt aus Hypothesen", es gebe keinerlei Beweise, betonte er.
In Sarkozys Wahlkampfabrechnung seien "keine verdächtigen Ausgaben" aufgefallen, betonte sein Anwalt. Er habe keinerlei Gelder aus Libyen "erbeten oder erbeten lassen".
Die Finanzflüsse aus Libyen zugunsten des inzwischen verstorbenen französisch-libanesischen Geschäftsmanns Ziad Takieddine Takieddine hätten keinen politischen Hintergrund gehabt, betonte Sarkozys Anwalt Tristan Gautier. Takieddine habe damit seinen luxuriösen Lebenswandel finanziert, betonte er.
Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer bereits - wie in der ersten Instanz - sieben Jahre Haft für den konservativen Ex-Präsidenten gefordert, unter anderem wegen Korruption, illegaler Wahlkampffinanzierung und der Bildung einer kriminellen Vereinigung. "Es gab sehr wohl eine Vereinbarung zwischen Nicolas Sarkozy und (dem damaligen libyschen Machthaber) Muammar al-Gaddafi", hatte Staatsanwalt Damien Brunet gesagt.
Sarkozy und sein Mitarbeiter Claude Guéant hätten sich demnach "im Gegenzug für libysche Gelder" um die Aufhebung des Haftbefehls gegen Abdallah Senoussi bemühen sollen, erklärte die Staatsanwaltschaft. Gaddafis Schwager, damals Nummer zwei der libyschen Führung, war in Frankreich wegen des Anschlags auf ein Flugzeug mit 170 Toten in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Für Guéant forderte die Staatsanwaltschaft erneut sechs Jahre Haft.
Guéants Anwalt machte Sarkozy in seinem Plädoyer schwere Vorwürfe. Die Verteidigungsstrategie des Ex-Präsidenten laute: "Ich war es nicht, es waren die anderen", sagte Guéants Anwalt Philippe Bouchez El Ghozi. Sarkozys Verteidigung sei von "Zynismus" geprägt.
Während des Berufungsverfahrens waren erstmals offene Widersprüche zwischen der Linie des konservativen Ex-Präsidenten und seinen ehemaligen Mitarbeitern aufgekommen. Guéant hatte insbesondere erklärt, dass Sarkozy ihn sehr wohl aufgefordert habe, sich um Gaddafis Bitte zu kümmern, den internationalen Haftbefehl für seinen engen Schwager Abdallah Senoussi aufheben zu lassen. "Claude, kümmern Sie sich darum", habe Sarkozy ihm in Anwesenheit Gaddafis gesagt. Sarkozy wies diese Darstellung zurück.
Der Ex-Präsident trat während des seit zweieinhalb Monaten andauernden Berufungsverfahrens weniger angriffslustig auf als während des ersten Prozesses - beteuerte aber weiter seine Unschuld. Mit der Verkündung des Urteils wird im November gerechnet.
Sarkozy war in erster Instanz zu fünf Jahren Haft mit sofortiger Vollstreckung verurteilt worden und verbrachte - als erster Ex-Staatschef eines EU-Landes - bereits 20 Tage im Gefängnis.
H.Rathmann--HHA