Hamburger Anzeiger - Zähe Blutsauger: Kalter Winter schadet Zecken nicht

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Zähe Blutsauger: Kalter Winter schadet Zecken nicht
Zähe Blutsauger: Kalter Winter schadet Zecken nicht / Foto: BERTRAND GUAY - AFP/Archiv

Zähe Blutsauger: Kalter Winter schadet Zecken nicht

Der frostige und schneereiche Winter wird den Zecken kaum schaden. Es sei "keine Delle" bei den Zeckenvorkommen in Deutschland zu erwarten, sagte Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim in Stuttgart am Dienstag. Es werde in diesem Jahr voraussichtlich genauso viele Zecken geben wie 2025 - "und das war schon ein Rekordjahr". Bei der durch Zeckenstiche verursachten Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) sehen Experten weiter einen steigenden Trend. Auch 2025 werde voraussichtlich zu den FSME-Rekordjahren gehören.

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Die Zecken sind demnach aufgrund meist milder Winter ganzjährig aktiv und überleben die kalte Jahreszeit. Auch die frostigen Temperaturen in weiten Teilen Deutschlands in diesem Winter werden den Blutsaugern nach Einschätzung der Experten kaum etwas anhaben. Der Lebenszyklus des Gemeinen Holzbocks laufe von der Eiablage bis zur erwachsenen Zecke über mehrere Jahre, in deren Biologie seien "auch kältere Winter verankert", erklärte Mackenstedt. "Die werden jetzt nicht sofort wegsterben."

Im Jahr 2024 zählte das Robert-Koch-Institut (RKI) bundesweit 695 bestätigte Fälle von FSME, einer virusbedingten Hirnhaut- oder Gehirnentzündung. Auch für 2025 hat das RKI bislang mehr als 690 Erkrankungsfälle erfasst, die offiziellen Zahlen werden in wenigen Wochen veröffentlicht. Nach Angaben von Gerhard Dobler, Leiter des Nationalen Konsiliarlabors FSME am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München, könnte 2025 das Jahr mit der bislang höchsten gemeldeten FSME-Zahl sein.

Die Forscher gehen allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus, weil ein Großteil der Infektionen nicht erkannt wird oder mit milden Symptomen verläuft. Die beim RKI registrierten FSME-Fälle machten nur zehn Prozent aller tatsächlichen Infektionen aus,sagte Dobler bei einer von der Universität Hohenheim ausgerichteten Pressekonferenz.

"Ganz Deutschland ist ein FSME-Risikogebiet, allerdings mit deutlichen geografischen Unterschieden", betonte Mackenstedt. 80 Prozent der gemeldeten FSME-Fälle betreffen demnach Bayern ud Baden-Württemberg. Die vom RKI ausgewiesene Risikokarte weise lediglich die Gebiete mit einer erhöhten Inzidenz aus, was zu einem "riesengroßen Missverständnis" führe, warnte Dobler. Der Experte rät zu Schutzimpfungen gegen FSME.

Experten machen den Klimawandel mitverantwortlich für steigende FSME-Zahlen. "Die wärmeren Temperaturen lassen Zecken in kühlere Regionen im Norden und im Gebirge vordrängen", erklärte Mackenstedt. In manchen Jahren seien sie selbst im Winter aktiv, viel mehr Zecken überlebten zudem die wenigen Frosttage.

Bei einer FSME-Erkrankung besteht insbesondere bei Erwachsenen die Gefahr von Spätfolgen wie Müdigkeit, lange andauernden Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten sowie neurologischen Ausfällen. Selten kommt es auch zu Todesfällen.

Neben dem FSME-Erreger können Zecken die von Bakterien verursachte sogenannte Lyme-Borreliose auf Menschen übertragen, die Nervensysteme und Gelenke schädigen kann. Gegen Borreliose, die noch häufiger vorkommt als FSME, gibt es bislang keine Schutzimpfung.

hex/ran

H.Graumann--HHA